Erinnerung

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen was wir zu sagen haben“ (Primo Levi, KZ-Überlebender)

Erinnern ist ein wichtiges Arbeitsfeld der AGF. Der Arbeitskreis Trier im Nationalsozialismus widmet sich dieser Aufgabe durch thematische Stadtführungen (siehe Bildungsangebot Rundgänge gegen das Vergessen), durch Vorträge, Filme und Ausstellungen sowie Gedenkveranstaltung und auch durch die Beteiligung an Demonstrationen und Protesten gegen aktuelle Phänomene des Faschismus und Rechtspopulismus.

Im Folgenden Informationen zu den Themen:

  • Warum erinnern? – Fünf GeDenkanstöße
  • Stolpersteine – Gedenksteine für Naziopfer
  • Wie soll Trier der jüdischen Nazi-Opfer gedenken?
  • Gestaltung Platz Rindertanzstraße/Sichelstraße
  • Links zu weiteren Informationen der AG Frieden
  • Externe Links

 

Gedenken und Mahnen heute – 5 GeDenkanstöße

(1)    Warum vergegenwärtigen wir uns eigentlich immer wieder die Geschichte des NS in all seinen Facetten? In Anlehnung an Prof. Micha Brumlik, einem Frankfurter Pädagogen, möchte ich es so sagen: „Geschichtliche Bildung über den NS dient zwei Zwecken: „(…) Es geht um die Bereitschaft, den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen dadurch Gerechtigkeit und Respekt widerfahren zu lassen, dass man ihrer Namen und Lebensgeschichten in der Öffentlichkeit gedenkt (…) Zu dieser nur auf die Vergangenheit bezogenen Unterweisung ins Eingedenken gehört aber eine Erziehung (besser: Bildung – TZ) nach Auschwitz. Sie zielt darauf ab, ähnliche Ver-brechen künftig zu verhindern.“ Das ist auch das Vermächtnis der Überlebenden (vgl. Schwur von Buchenwald „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg“). Gedenk-arbeit ist auch Bildungsarbeit für Menschenrechte – und das für die Gegenwart!

(2)    Das Gedenken an Vorgänge in der Vergangenheit ist außerdem eine Antizipation, d.h. eine Einübung, eine Vorwegnahme der Zukunft, in der wir leben wollen. Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus bleibt wichtig, um zu einer humanen Grundorientierung der Gesellschaft beizutragen. Das ist angesichts von Hetze, Hass und Gewalt, z.B. gegen Flüchtlinge, Juden und Muslime nötiger denn je. Auch weil wir seit September 2017 mit der AfD nun auch eine parlamentarische Kraft im Bundestag haben, deren Protagonisten diesen Teil der deutschen Geschichte entsorgen möchten und von der Rehabilitation „völkischer Politik“ (Petry), von „Schuldkult“ (Junge) und einer angeblich notwendigen „180-Grad Wende in der Erinnerungskultur“ (Höcke) sprechen.

(3)   Der Zuzug vieler Einwander*innen muss sich in der Methodik und Didaktik der Gedenkarbeit niederschlagen. Die Migrations-Geschichten der (vielen jungen) Neubürger*innen beinhalten vielfach Krieg, Diktatur, Flucht und Vertreibung. Damit ergeben sich neue Anknüpfungspunkte für die Gedenkarbeit. Anderes – wie der Diskurs über den Antiziganismus und Antisemitismus – wird immer wichtiger. Aktuell diskutiert wird der verstärkte Einsatz gegen Antisemitismus. Er ist nach meiner Beobachtung nicht nur unter rechtsgerichteten Deutschen weitverbreitet, sondern auch unter Flüchtlingen aus dem arabisch-islamischen Kulturraum. Die Ernennung eines Antisemitismusbeauftragten in RLP durch Minister-präsidentin Malu Dreyer ist eine richtige Maßnahme. Mit Dieter Burgard hat sie dabei eine gute Wahl getroffen. Er lenkt seit 2001 die Geschicke der ”LAG der Ge-denkstätten und Erinnerungsinitiativen zum Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz“.

(4)   Die Entwicklung einer weltweiten Holocaust-Pädagogik zeigt, dass der Nationalsozialismus künftig noch stärker aus dem historischen deutschen Zu-sammenhang gelöst und in einer europäischen und globalen Dimension betrachtet werden wird: als Symbol und Menetekel eines Zivilisationsbruchs. Das ist Risiko und Chance zugleich. Risiko, weil die Unvergleichlichkeit und Einzigartigkeit von Auschwitz damit eingeebnet werden könnte. Aber auch Chance, denn so öffnet sich der Blick auf die Voraussetzungen und Abläufe gegenwärtiger Menschheits-katastrophen.

(5)  In Deutschland müssen wir die Gedenkarbeit immer wieder auf den Prüfstand stellen. Sie darf nicht in Pathosformeln und moralischen Appellen erstarren. Gerade unter jungen Menschen gehört das Thema inzwischen zum Anständig-Sein und weniger zum Anstößig-Sein wie in den 1980er-Jahren, als wir diese Arbeit in Trier begonnen haben. Hier braucht es Vermittlungsformen, die im Umfeld und bei den Alltagserfahrungen junger Menschen anknüpfen. Das tun wir als AK Trier im NS mit unseren historisch-politischen Stadtführungen durch Trier und auch mit der Aktion „Stolpersteine“, die wir gemeinsam mit dem Kulturverein Kürenz nach Trier geholt haben.

Am 8.1.2018 zur Eröffnung der Euthanasie-Ausstellung von Thomas Zuche für den Ak Trier im Nationalsozialismus der AGF

 

Stolpersteine – Gedenksteine für Naziopfer

Das dezentrale Projekt des Künstlers Gunter Demnig (www.stolpersteine.com) wurde 2005 durch die AG Frieden und den Kulturverein Kürenz nach Trier gebracht. In Trier wurden bis Ende 2017 über 200 Stolpersteine verlegt. Europaweit wurde in 21 Ländern an 650 Orten über 60.000 Gedenksteine verlegt. Alleine in Deutschland waren es rund 53.000 in 1265 Städten und Gemeinden.  (Quellen: www.stolpersteine.com und Wikipedia)

‚Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist‘, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE… Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.

Wie soll Trier der jüdischen Nazi-Opfer gedenken? (Gedenktafel Rindertanzstraße/Sichelstraße)

Seit 1993 gibt es in der Sichelstraße am Gebäude der katholischen Hochschulgemeinde eine Gedenktafel. Diese befindet sich auf dem dortigen Parkplatz, was unserer Meinung nach kein angemessener Rahmen für eine solche Gedenktafel darstellt. Die auf der Tafel angegebene Opferzahl von „mehr als 400“ ist nach den neuesten Forschungen des Stadtarchivs veraltet bzw sie sollte präzisiert werden. Nun müsste es „mehr als 600“ heißen. Ferner ist bei der Herstellung des Rahmens der Gedenktafel nicht auf hochwertiges Material geachtet worden, so dass dieser Rahmen immer wieder Rostspuren aufweist. Insgesamt stellt diese Form des Erinnerns an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Trier unserer Meinung nach eine sehr schlichte und nicht ausreichend würdige Form des Gedenkens dar.

Der Ortsberat Mitte hat wahrscheinlich aus den gleichen Gründen den Plan gefasst, eine würdige Form des Gedenkens in naher Zukunft zu verwirklichen. Dazu wurde bereits ein Geldbetrag im Etat reserviert und erste Gespräche mit der jüdischen Gemeinde und der Baudezernentin geführt. Angesichts dieser Situation regen wir eine Ideensammlung an und fragen: Wie sollte eine Gedenktafel oder ein Mahnmal für die jüdischen Opfer des Holocaust in Trier aussehen?

Wie sieht es aktuell aus?

bis Ende 2019 hing die oben erwähnte Gedenktafel von Thomas K. Kraft am Haus Fetzenreich , mit denen die Stadt Trier an die ermordeten jüdischen Bürger*innen erinnerte. Die Tafel war, Startpunkt vieler AGF-Rundgänge gegen das Vergessen. Jetzt steht dort ein Denkmal (s.u.)

 

Beispiele aus anderen Städten

Wir haben einige Beispiele aus anderen Städten oder Gedenkstätten gesammelt. Wir würden uns freuen, wenn die Trierer Bürger und Bürgerinnen uns auf weitere gute Beispiele hinweisen oder selber einen Vorschlag für eine Gedenktafel oder Mahnmal machen. Wie sollte diese Gedenktafel/dieses Mahnmal aussehen und welche Gestaltung der Umgebung wäre angemessen? Teilen sie uns Ihre Anregungen und Vorschläge mit: buero@agf-trier.de

  • Glaskubus in Mannheim
  • Mahnmal in Koblenz

    DenkOrt Aumühle | Synagoge Urspringen Quelle: http://www.synagoge-urspringen.de/projekt-aumuehle/

    Die Website des Fördervereins Mahnmal Koblenz ist selbst ein virtuelles Mahnmal mit vielen Informationen weit über Koblenz hinaus. ->Link

  • Gedenktafeln in der Region Trier->Link
  • Ein interessantes Beispiel, wie neue Gedenkformen entwickelt werden können, hat das Kulturreferat der Stadt München mit dem Wettbewerb „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“ gezeigt. In dieser Größenordnung ist ein Wettbewerb in Trier sicherlich nicht zu verwirklichen, aber er kann gute Anregungen liefern. Auf der Homepage des Münchner Kulturreferates wurde der Wettbewerb folgendermaßen vorgestellt: Die Landeshauptstadt München stellte mit einem Kunstwettbewerb die Frage nach „Neuen Formen des Erinnerns und Gedenkens“ in Bezug auf die Opfer des Nationalsozialismus.   . . . . Erwünscht war ein Kunstwerk, das keinen rückwärtsgewandten Denkmalcharakter hat. Es sollte vielmehr über bereits Bestehendes hinaus „neue Formen“ der Wahrnehmung und innerer Auseinandersetzung ermöglichen. Vor allem die jüngere Generation sollte angesprochen werden. Michaela Melián hatte mit ihrem Kunstprojekt Memory Loops Jury und Stadtrat überzeugt. Ihr „virtuelles Denkmal“ ist seit dem 23. September 2010 online erreichbar. Memory Loops ist als Audiokunstwerk konzipiert, das auf historischen Originaltönen von NS-Opfern und Zeitzeugen basiert: Zeugnisse von Diskriminierung, Verfolgung, Ausgrenzung, denen Menschen während des NS-Regimes in München ausgesetzt waren. Die Auswahl der Originaltöne umfasst sowohl die von bekannten Persönlichkeiten als auch die von bislang kaum gehörten Zeitzeugen.

Zur Gestaltung Platz Rindertanzstraße/Sichelstraße

Auf Anregung des Ortsberats Trier-Mitte-Gartenfeld erstellten Studenten der Hochschule Darmstadt unter Leitung von Prof. Lamott folgende Modelle für eine Gestaltung des Platzes am Haus Fetzenreich. In den Entwürfen und in der Diskussion bei der Präsentation kristallisierte sich für die Gestaltung folgende Leitgedanken heraus: Der Platz soll der Erinnerung, der Mahnung, der Bildung und der Begegnung dienen.

Hier eine Auswahl an Modellen, die jeweils in Gestaltung und Nutzung sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen:

Einweihung eines Denkmals für deportierten jüdischen Bürger*innen aus Trier und Region

am Freitag, dem 16.10.2020, wurde ein Mahnmal für die deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Trier und Region an der Rindertanzstraße / Ecke Sichelstraße eingeweiht.
Das Datum war bewusst gewählt, denn vom 16. auf den 17. Oktober 1941 verließ gegen ein Uhr nachts ein Deportationszug mit 323 jüdischen Menschen Luxemburg und machte einen Zwischenstopp am Hauptbahnhof von Trier. In Trier mussten 189 Menschen zusteigen. Diese hatten sich am Vortag, dem 16.10.1941, im Bischof Korum Haus einzufinden.
– Am früheren Standort dieses Hauses steht jetzt ein Koffer aus Bronze sowie eine Bronzetafel. –
Weitere Deportationszüge nach Lodz folgten nach 1941 mit insgesamt über 600 jüdischen Menschen aus Trier und Umgebung, darunter etlichen Kindern. Die meisten von Ihnen wurden an den Zielorten der Deportationszüge ermordet. Nur 15 Personen überlebten das Ghetto und die KZs, in die viele in der Folgezeit deportiert worden waren. 79 Jahre später nahmen ca. 100 Menschen aus der Zivilgesellschaft, dem Stadtrat, von zahlreichen Organisationen und der jüdischen Kultusgemeinde an der Gedenkveranstaltung teil.
Ralf Kotschka hat das Denkmal initiiert und entworfen – er hat zudem die erfolgreiche Wanderausstellung „Jüdisches Trier“ erstellt (Ausstellungsheft ist im Weltladen der AGF erhältlich). Viele Akteur*innen waren in die Entwicklung des Mahnmals eingebunden, darunter der Ak Trier NS der AG Frieden, Jüdische Gemeinde, Emil Frank Institut, Ortsbeirat Trier-Mitte und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Veranstalter).
In Redebeiträgen von Peter Szemere für die jüdische Gemeinde und die Christlich Jüdische Gesellschaft, Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen sowie Oberbürgermeister Wolfram Leibe wurde der Opfer gedacht und es wurden die Hintergründe erläutert; Ralf Kotschka wies auf die Aktualität des Gedenkens hin, das auch in Handeln gegen Rechts münden müsse.
Im Anschluss an die Denkmaleinweihung fand ein gemeinsamer Gang zum Bahnhof statt, der im Rahmen von „Grenzenlos gedenken“ an die ersten Deportationszüge erinnerte. Schülerinnen verlasen die Namen der deportierten Opfer. Mit dem jüdischen Totengebet (Kaddisch) wurde an die Toten der Shoah gedacht und die Veranstaltung abge-schlossen.

 

Links zu weiteren Informationen der AG Frieden

 

Externe Links