Redebeitrag von Markus Pflüger für AGF und DFG-VK Trier-Saar bei der Kundgebung, 13.Mai 2026
Herzlich willkommen zu unserer Kundgebung: Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Veranstalter*innen sind die AG Frieden, die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner*innen Trier-Saar und das Offene Antifaschistische Treffen Trier.
Um was geht es uns heute? Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht. Anlässlich des Internationalen Tages der Kriegsdienstverweigerung zeigen wir unsere Solidarität mit Kriegsdienstverweigern und Kriegsdienstverweigerinnen weltweit – denn dieses Recht ist in vielen Ländern nicht existent oder wird gebrochen.
Besonders aktuell ist das gerade in Russland, Belarus, der Ukraine und Israel, wo Menschen unter großem Druck stehen, ihrem Gewissen zu folgen und den Kriegsdienst verweigern.
Wir setzen heute ein Zeichen gegen Zwangsdienste und für das Recht, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Wir zeigen unsere Solidarität mit den Menschen die jetzt unter Repressionen und Haft zu leiden haben, weil sie ein Menschenrecht wahrnehmen. Wir sagen daher heute klar:
Die Verfolgung von Menschen, die keine Waffe in die Hand nehmen wollen, muss aufhören – insbesondere in Kriegsgebieten. Kriegsdienstverweigerung ist Menschenrecht! Wer dennoch verfolgt wird, muss Schutz und Asyl erhalten.
Zum internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung rund um den 15. Mai 2026 rufen wir zudem zum Protest gegen den „neuen Wehrdienst“ und alle Kriegsdienste in Deutschland und weltweit auf!
Wir wollen nicht zum Töten anderer Menschen ausgebildet werden. Wir wollen keine Zwangsdienste. Nein zu Wehrpflicht und Aufrüstung!
Nach unserer Kundgebung heute, bieten wir daher im Friedens- und Umweltzentrum in der Pfützenstr. 1 kostenlose und ehrenamtliche Beratung für Kriegsdienstverweigerung an, bei Interesse gerne nachher um 18 Uhr vorbeischauen. Wer keine Zeit hat kann sich auch per Email an uns wenden: kdv-trier@dfg-vk.de, Infos dazu hier am Infostand und unter verweigern.info
Seit 1982 wird der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung am 15. Mai jedes Jahres begangen. Das ist der Anlass für unsere heutige Kundgebung – 2 Tage zuvor.
Es gibt mindestens 250.000 Militärdienstpflichtige aus Russland, die seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine das Land verlassen haben und Schutz in anderen Ländern suchen. Schätzungsweise 22.000 belarussische Militärdienstpflichtige haben ihr Land verlassen, weil sie sich nicht an einer möglichen Beteiligung am Krieg in der Ukraine beteiligen wollen. In der Ukraine wird die Zahl der Männer, die versuchen, sich dem Kriegsdienst zu entziehen und in die EU geflohen sind, nach Zahlen von Connection e.V., auf 325.000 geschätzt.
Russland, aber auch die Ukraine erkennen das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung nicht an; Und auch in etlichen weiteren Ländern werden Kriegsdienstverweiger*innen verfolgt, so u.a. in diesen Ländern:
– In Israel verweigern immer wieder Frauen und Männer den Kriegsdienst. Sie werden i.d.R. mehrfach zu Haftstrafen verurteilt.
– In Südkorea wurde zwar ein Gesetz zur Kriegsdienstverweigerung erlassen, aber ein Ersatzdienst muss im Gefängnissen abgeleistet werden.
– In Nordzypern standen bereits mehrere Kriegsdienstverweigerer vor Gericht, und auch in der Türkei werden Kriegsdienstverweigerer verfolgt.
– In Eritrea werden Frauen und Männer zu teilweise bis zu 20-jährigem Dienst willkürlich eingezogen; viele sind deshalb außer Landes gegangen.
In all den Ländern, die sich im Krieg befinden, gibt es auch Menschen, die sich dem Krieg verweigern, die sich aktiv für Frieden einsetzen, die dort Widerstand gegen Militarisierung und Krieg leisten. Soldat:innen an der Front wollen angesichts des Grauens ihre Waffen niederlegen. Andere entziehen sich den Zwangsrekrutierungen. Sie wollen keine anderen Menschen töten und auch nicht in einem Krieg sterben. Ihnen allen drohen dafür Repression und Gefängnisstrafen. Ihnen gilt heute unsere Solidarität: Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht und muss überall gelten!
Daran erinnern in Trier übrigens auch die Stolpersteine für Deserteure im Aveler Tal wo es zur Wehrtechnischen Dienststelle hochgeht. Diese Deserteure wurden während der NS-Diktatur dort hingerichtet. Wir sehen die Kriegsdienstverweigerung als einen wichtigen Baustein, um Krieg und damit Tod und Zerstörung im Krieg zu überwinden.
Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht, Kein Mensch darf gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu Töten und Töten zu lernen. Das gilt gerade auch im Falle eines Krieges. Und es ist unerträglich, dass immer noch von Männern und Frauen erwartet wird das Töten und Vernichten von Menschen zu lernen und im Krieg zu praktizieren. Während innergesellschaftlich Gewalt zu Recht verboten ist, müssen sich bei der Vorbereitung auf Krieg jene rechtfertigen oder werden sogar bestraft, die sich weigern zu morden.
Deshalb lehnen wir auch eine Reaktivierung der Wehrpflicht oder gar eine allgemeine Dienstpflicht entschieden ab. Dies ist eine psychologische und materielle Vorbereitung auf Krieg, die wir ablehnen. Wir brauchen keine „Kriegstüchtigkeit“, sondern „Friedensfähigkeit“.
Zur Friedensfähigkeit gehört es, internationale wie innergesellschaftliche Konflikte ohne Gewalt zivil zu bearbeiten, also Diplomatie und Prävention, die Beseitigung von Ungerechtigkeiten, die Bekämpfung von Armut und Ausbeutungsverhältnissen, stattdessen Bildung, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sowie sozialen Wandel.
Die Drei Gruppen die heute zu dieser Kundgebung aufrufen arbeiten daher in Trier auch im Arbeitskreis Friedensfähig zusammen. Bei Interesse gerne bei der AGF, der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner*innen Trier-Saar und dem OAT melden.
Wir erinnern heute daran: Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht, gerade auch im Krieg. Verfolgte Kriegsdienstverweiger*innen und Deserteur*innen brauchen Asyl, keine Repressionen oder Haft! Wir demonstrieren für eine Welt, in der alle Menschen sicher vor Krieg und in Frieden leben können!
Zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung fordern wir:
• Keine Aufrüstung, keine Wehrpflicht, verweigert alle Kriegsdienste!
• Echten Schutz für alle, die sich dem Krieg verweigern! DANKE.
Weitere Informationen:
Jahresbericht des Europäischen Büros für Kriegsdienst-verweigerung (EBCO) : https://dfg-vk.de/ebco-jahresbericht-zur-kriegsdienstverweigerung-in-europa-2025
Internationale Arbeit zu Kriegsdienstverweigerung und Desertion: https://de.connection-ev.org