30.09.2026 | Arbeitskreise & Projektgruppen

„Frieden in den Lehrplan!“

Redebeitrag von Markus Pflüger DFG-VK/AGF Trier (Ak friedensfähig ), Antikriegstag Demo, 29.08.2026

Ihr habt jetzt schon einiges über den Zusammenhang von Aufrüstung und Sozialabbau gehört. Was auch zur Aufrüstung  gehört ist die Militarisierung. Also das militärische Durchdringen der Gesellschaft mit militärischem Denkens und die Unterordnung aller gesellschaftlichen Bereiche nach militärischer Logik und zur Unterstützung der Bundeswehr. Und dazu gehört auch die Militarisierung der Bildung. Dazu möchte ich euch ein paar Gedanken und Fragen mitgeben sowie konkrete Mitmachideen vorstellen.

Viele von Euch sind an Orten unterwegs an denen gelernt wird: ob Schule oder Universität, ob Betrieb oder auch die Wege dorthin beispielsweise mit ÖPNV. So fährt ein Bus der SWT komplett mit Bundeswehrwerbung überzogen durch Trier. Überall wird versucht die Bundeswehr als Abenteuer und Superjob zu verkaufen.

In Rheinlnad-Pfalz hat die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Bundeswehr und dem Kultusministerium 2010 diese Einflussnahme sogar vertraglich verstärkt. Mit weitreichenden Folgen: Den Jugendoffizieren der Bundeswehr wird seitdem ein privilegierter Zugang in den Schulen eingeräumt, sie erhalten das Recht LehrerInnen aus- und fortzubilden, SchülerInnen über Militärpolitik zu „informieren“ und komplette Unterrichts­einheiten zu übernehmen. Kasernenbesuche und Schießsimulationen werden als Bonbon gleich mit serviert.

Der Werbefeldzug der Bundeswehr verschlingt allein dieses Jahr 70,5 Millionen Euro. Doppelt so viel wie 2022. Und mir wird schlecht, wenn ich überlege was dafür an Klimaschutz, Bildungsverbesserungen oder Sozialleistungen möglich wäre.

Wir sagen heute klar: Nein zum Werbefeldzug der Bundeswehr, Nein zur Militarisierung der Gesellschaft,  Wir fordern statt Milliarden für die Bundeswehr: Investitionen in Demokratie und Friedensbildung, für Klimaschutz und Soziales!

Was kann gegen die Militarisierung der Bildung getan werden?

Für die Universität wäre eine Zivilklausel ein mögliches Instrument um der Militarisierung der Hochschulen einen Riegel vorzuschieben. Also eine Selbstverpflichtung ausschließlich für zivile und friedliche Zwecke zu forschen. Zudem können Lehramtsstudierende und Pädagog*innen auch friedenspädagogische Konzepte und friedenspolitische Inhalte vermittelt werden. Das Planspiel zu Atomwaffen der Friedensakademie RLP ist ein gutes Beispiel.

Für die Schule wäre es sinnvoll wenn Frieden endlich in den Lehrplan kommt. Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung wurden in allen Bundesländern gestärkt. Ein Beschluss für Friedensbildung fehlt. Genau das soll mit einer Petition an die Kultusminister-Konferenz geändert werden. An allen Bildungseinrichtungen sollte der „Ernstfall Frieden“ gelernt, gewaltfreie Wege dorthin diskutiert und Kriegsursachen benannt werden.

Wir fordern daher: Schulfrei für die Bundeswehr, Frieden in den Lehrplan!

Was ein möglicher Ansatz ist, zeigt das Auguste Viktoria Gymnasium in Trier.

Hintergrund  ist der Beutelsbacher Konsens. Nach dieser geltenden Einigung für Schul­bildung gelten Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Schülerorientierung. Das Kontroversitätsgebot besagt: was in der Gesellschaft umstritten ist, muss auch im Unterricht so dargestellt werden.  Und wie garantiert man das an einer Schule? Ganz einfach, indem man nie nur die Bundeswehr an die Schule lässt. Im AVG gilt ein Gesamtkonferenzbeschluß: wenn die Bundeswehr an die Schule kommt – beispielsweise zum Berufsorientierungstag – müssen auch Friedenspositionen gehört werden. So war ich schon mehrmals dort und habe den Bundeswehr-Rekrutierern widersprochen und unangenehme Fragen gestellt: „Wie viel Ausbildungskosten muss man zurückzahlen wenn man früher aufhört? Wie sieht es mit rechtsextremen Vorfälle und sexistischen Übergriffen aus? Welche Grundrechte sind aufgrund von Befehl und Gehorsam für Soldat*innen ausgesetzt?“ Ich halte es für wichtig, dass diese Fragen und unsere Argumente gegen Kriegseinsätze, für Diplomatie und Prävention sowie die Bekämpfung von Kriegsursachen gehört werden.

Aufgrund des Beutelsbacher Konsens kann aber auch die Anwesenheit der Bundeswehr grundsätzlich in Frage gestellt werden. Bisher ist an den meisten Schulen in Trier nur die Bundeswehr. Ja Schulen können entscheiden, dass die Bundeswehr gar nicht kommt, sie hat eh schon mehr als genug Einfluss

Es gibt auf der Seite Schulfrei für die Bundeswehr einen Muster-Antrag für Schul-Gremien auf Nicht-Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, das können Lehrkräfte und Schüler*innen ebenso wie Eltern einbringen. Für Eltern gibt es dort auch einen Musterantrag zur Unterrichtsbefreiung ihrer Kinder, wenn die Bundeswehr an die Schule kommt. Es gibt noch viele andere Ideen

Konkret möchte ich heute anregen dass  alle die Petition „Frieden in den Lehrplan“ unterstützen. Statt Bundeswehr an Schulen brauchen wir Friedenskräfte und Friedensstimmen an Schulen!  Danke.

Die Fragen zum Weiterdiskutieren waren:

  1. Was können wir gegen die Bundeswehr an Schulen und gegen den Werbefeldzug der Bundeswehr tun?
  2. Seht ihr potentielle Mitstreiter*innen bei euch an der Schule, Universität, im Betrieb, im Kolleg*innen- oder Freundeskreis, um sich gemeinsam für Friedensbildung einzusetzen?
  3. Habt ihr Ideen wie ihr die Petition und das Anliegen „Frieden in den Lehrplan“ konkret an der Schule voranbringen könnt?

Weiterführende Informationen:

Die Unterschriftenlisten steht hier: http://www.openpetition.org/friedensbildung

Auf der Seite www.schulfrei-für-die-bundeswehr.de finden sich zahlreiche Materialien:

Informationen zur Kriegsdienstverweigerung: www.verweigern.info