Flucht und Trauma

Ort: 
FUZ
Datum & Uhrzeit: 
18. September 2012 - 20:00

Beiträge der AGF zur Interkulturellen Woche Trier 2012

 Asyl - Situation und Perspektiven

1. Flucht und Trauma  am Di 18.9. um 20h im FUZ

2. FRONTEX: Europäische Politik gegen Flüchtlinge  am Di 16.10. um 20h im FUZ (jeweils im Friedens- & Umweltzentrum)

 

1. Flucht und Trauma - Politik und Gesellschaft sind gefragt

Wie gestaltet sich die Bewältigung traumatischer Erlebnisse im Exil? Welche Möglichkeiten der psychosozialen Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge in Deutschland gibt es?

Belastungen wie die dauerhafte Unsicherheit im Exil erschweren es Flüchtlingen, ihre extremen Gewalterfahrungen zu bewältigen und sich ein neues Leben aufzubauen. In einer Studie zeigt die Referentin, dass strukturelle Bedingungen des Asylsystems die Verwirklichung von zwei zentralen Faktoren für Trauma- und Lebensbewältigung beschränken: Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit. Die Autorin der Studie hat in Interviews mit Kriegsüberlebenden aus Ex-Jugoslawien erfahren wie schwierig die sozialen und rechtlichen Bedingungen für Flüchtlinge in Deutschland sind. Sie hat erforscht wie und wo psychosoziale Unterstützung ansetzen kann. In ihrem Vortrag bzw der Lesung und der anschließender Diskussion wird es um folgende Fragen gehen:

- Wie kann Psychotherapie oder Sozialarbeit traumatisierten Flüchtlingen zur Seite stehen?

- Welche anderen Formen psychosozialer Unterstützung sind hilfreich?

- Und wo sind Politik und Gesellschaft gefragt?

Referentin/Autorin: Maximiliane Brandmaier, Diplom Psychologin, in Weiter­bildung zur Systemischen Therapeutin, Doktorandin an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Die Referenten studierte in Trier Psychologie, Ethnologie und interdisziplinäre Gender Studies. Ihre Diplomarbeit "Wie gestaltet sich die Bewältigung trauma­tischer Erlebnisse im Exil? Möglichkeiten der psychosozialen Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge in Deutschland." veröffentlichte sie im Lit Verlag in der Schriftenreihe zur Klinischen Sozialarbeit Bd. 3, 2011, 176 S., 19.90 €, br., ISBN 978-3-643-11103-6

am 18.9. um 20h im  Friedens- und Umweltzentrum, Pfützenstr.1 54290 Trier

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2. FRONTEX - Europäische Politik gegen Flüchtlinge

oder wie die EU Fluchtursachen organisiert und dann Flüchtlinge bekämpft

Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, hat den Zusammenhang in der Zeitschrift le monde diplomatique im März 2010 klar beschrieben: “Frontex ist ein Beispiel für die Heuchelei der EU (...) und der Heuchelei der Brüsseler Kommissare, die auf der einen Seite die Hungersnot in Afrika organisieren und auf der anderen Seite die Opfer ihrer Politik, die Hungerflüchtlinge, kriminalisieren.”

2008 landeten nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Menschenrechtsorganisation Fortress Europe etwa 70.000 Boots­flüchtlinge an den europäischen Küsten. Die verheerende Menschen­rechtsbilanz 2008: über 1.500 dokumentierte Tote vor den Toren Europas. Und die Dunkelziffer ist hoch. Die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX hat im 2010 5.969 Menschen auf See abgefangen und nach Afrika zurückgeschickt. Das berichtet das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ. Dass Menschen damit systematisch in den Tod geschickt werden, be­stä­ti­gen u.a. Amnesty International, Pro Asyl und der Evangelische Entwicklungsdienst.

Die »Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union« kurz FRONTEX gilt zusammen mit Polizeieinheiten der EU-Mitgliedsländer als Exekutive dieser EU-Politik. Die Behörde koordiniert die operative Zusammenarbeit beim Schutz der Außengrenzen (Land­grenzen, Seegrenzen, Flughäfen) der EU und sammelt zu diesem Ziel Daten über illegale Migration, analysiert Flüchtlingsströme und leistet Unterstützung beim „Schutz der EU-Außengrenzen“. Der Haushalt der Grenzschutzagentur steigt rasant von 6,3 Millionen Euro 2005 auf 90 Millionen Euro 2009, ebenso die Zahl der Mitarbeiter von 72 auf 140.

Menschen haben ein international verbrieftes Recht, in jedes Land der EU zu kommen und Schutz zu suchen. Ihre Zurückweisung ist völkerrechtswidrig. Dieses Recht, das sich aus der Genfer Flüchtlingskonvention ergibt, ist eine Folge der deutschen Vernichtungs­ideologie im zweiten Weltkrieg. Es ist inzwischen veraltet, denn es umfasst nicht diejenigen, die vor Kriegen (u.a. geführt mit europäischen Waffen), Hunger (u.a. verursacht durch die kapitalistische Wirtschaftsordnung) oder Umweltkatastrophen (u.a. verursacht durch die Überproduktion des globalen Nordens) geflohen sind. Die EU hat über FRONTEX vielfältige Wege realisiert, um sich diesen völkerrechtlichen Verpflichtungen für Flüchtlingsschutz und Aufnahme von Asylsuchenden zu entziehen. Autoritäre Regimes wurden zu sicheren Drittstaaten erklärt, „Regionale Schutzzonen“ zur „heimatnahen Unter­bringung“ finanziert und Auffanglager in den Transitstaaten errichtet. Viele dieser Ideen wurden in Deutschland entwickelt und vom deutschen Innenministerium vorangetrieben. Die Abschottung Europas durch Frontex ist wenig bekannt, dabei treibt die Weltwirtschaftkrise mehr Menschen zur Flucht. Über FRONTEX hat die EU inklusive Deutschland mit arabischen Unrechtsregimen wie dem von Gadaffi kooperiert, wir fragen: wie sieht die Situation jetzt angesichts z.B. arabischer Revolutionen aussieht? Verläuft die militärisch gesicherte europäische Grenze weiterhin vor Westafrika?

Wie sieht die Bilanz aus menschenrechtlicher Sicht nach 7 Jahren FRONTEX aus?

Was sind Strategien für eine humane Asylpolitik von der EU über Rheinland-Pfalz bis zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Trier?

Referent: Hagen Kopp, kein Mensch ist illegal, Beratungscafé Hanau

am Di 16.10. um 20h im Friedens- & Umweltzentrum, Pfützenstr.1 54290 Trier

Veranstalter beider Vorträge:

Ak Asyl der AG Frieden in Kooperation mit Heinrich Böll Stiftung RLP und Ak Asyl RLP